Du drehst den Lenker im Anlieger voll ein und plötzlich jagt der Motor hoch? Oder du spürst beim Fahren ein schwammiges Gefühl am Gas? Beides sind klare Zeichen dafür, dass du dein Gasgriff-Spiel einstellen musst. Dieses Detail wird oft übersehen, hat aber einen riesigen Einfluss auf dein Gefühl und deine Sicherheit, besonders wenn du am Limit fährst.
Warum dein Gasgriff Spiel haben muss
Der Leerweg am Gasgriff ist kein Konstruktionsfehler, sondern ein lebenswichtiges Sicherheitsfeature. Stell dir vor, du landest hart nach einem Sprung, dein MX-Fahrwerk geht auf Block und du schlägst den Lenker voll ein. Ohne Spiel könnte diese Bewegung den Gaszug spannen und ungewollt Gas geben. Das Gleiche passiert, wenn sich der Bowdenzug durch Hitze ausdehnt oder sich Dreck unter die Hülse schmuggeln. Das Spiel stellt sicher, dass nur deine Hand die Drosselklappe deiner KTM, Yamaha oder Honda öffnet, egal ob TPI/EFI oder Vergaser. Zu viel Spiel fühlt sich unpräzise an, aber zu wenig ist schlichtweg gefährlich.
Die goldene Regel: So viel Spiel ist richtig
In der Werkstatt gilt die Faustformel: etwa 2 bis 3 Millimeter. Ein praktischer Trick aus dem Fahrerlager ist die Dicke einer 2-Euro-Münze. Dieses minimale Spiel sollte spürbar sein, bevor du den eigentlichen Widerstand des Zugs spürst. Wenn du eine moderne Viertakt-Maschine fährst, hast du meist zwei Züge: einen Öffner und einen Schließer. Hier ist das Spiel am Öffner-Zug entscheidend für dein direktes Ansprechverhalten, besonders wenn du mit wenig Grip auf Hardpack oder mit 0,8 Bar im tiefen Sand (z. B. auf Dunlop MX14) unterwegs bist.
Schritt für Schritt: Das Spiel richtig einstellen
Du brauchst dafür in der Regel nur zwei passende Maulschlüssel für die Kontermutter. Lass die Finger von der Zange, damit machst du nur die Sechskante rund. Wer mit der Zange anrückt, kriegt Werkstattverbot!
- 1. Einstellstelle finden: Folge dem Bowdenzug vom Gasgriff. Direkt oben am Lenker unter der Gummitülle sitzt das Einstellgewinde.
- 2. Kontermutter lockern: Halte das Einstellgewinde fest und löse die Kontermutter um etwa zwei Umdrehungen.
- 3. Spiel einstellen: Durch Herausdrehen verringerst du das Spiel, durch Hineindrehen vergrößerst du es. Probiere aus, bis du die 2 bis 3 Millimeter Leerweg hast.
- 4. Fixieren: Halte das Gewinde fest und ziehe die Kontermutter sicher an.
Der entscheidende Praxischeck für dein Setup
Die Einstellung auf dem Hubständer ist nur die halbe Miete. Starte den Motor im Leerlauf und drehe den Lenker komplett nach links und rechts bis zum Anschlag. Steigt die Drehzahl an? Dann ist dein Gaszug zu stramm. Erst wenn der Motor in jeder Position ruhig läuft, ist die Sache sicher. Das gehört zum Standard-Check nach jedem Fahrwerksservice oder wenn du deine Klicks an Gabel und Stoßdämpfer anpasst.
MXGlory-Kodex: Präzision schafft Vertrauen
Ein präzise eingestellter Gasgriff ist die direkte Verbindung zwischen deinem Kopf und der Kraft des Motors. Dieses Vertrauen gibt dir die Freiheit, dich voll auf die Kick-Kanten und deine Linie zu konzentrieren. Nimm dir alle paar Betriebsstunden oder nach jedem Sturz die 60 Sekunden für diesen Check. Respektiere die Technik, dann respektiert sie dich auch in der Luft.
Wenn sich kein Spiel mehr einstellen lässt
Drehst du das Gewinde bis zum Anschlag heraus und hast immer noch Spiel wie ein Kuhschwanz? Dann ist der Bowdenzug verschlissen oder die Seele kurz vor dem Reißen. Auch eine eingelaufene Gasgriffhülse kann die Ursache sein. Dann wird es Zeit für einen neuen Satz Züge von Experten wie WRP, All Balls oder Prox, die du bei jedem gut sortierten MX-Händler in Deutschland bekommst. Wer das Maximum an Leichtgängigkeit sucht, greift zu den Featherlight-Zügen von Venhill.
Jetzt weißt du Bescheid. Schnapp dir das Werkzeug, geh zu deinem Bike und mach den Check. Mit diesem kleinen Feintuning hast du die volle Kontrolle beim nächsten Holeshot. Wir sehen uns auf der Strecke!

